Die Macht der Worte – führen Sie mit einer achtsamen, menschlichen Sprache!

Worte haben einen großen Einfluss auf uns und unsere Wahrnehmung. Worte helfen uns, unsere Gedanken und Emotionen zu formulieren. Worte haben eine unglaubliche Kraft und Macht – sie können uns verbinden und uns neue Welten eröffnen, können uns aber auch manipulieren oder gar zerstören. Der bewusste und achtsame Umgang mit Worten ist in der Kommunikation und insbesondere in der Führung von Mitarbeitenden sehr wichtig.

Shutterstock.com | yanishevska

Worte prägen unser Denken und Handeln

Die einen sind überzeugt, dass unsere Sprache unser Denken bestimmt – und dass wir Menschen sogar in unterschiedlichen Sprachen unterschiedlich denken. Andere hingegen glauben, dass das Denken von der Sprache weitgehend unabhängig ist. Diese Diskussion ist weit über die Grenzen der Linguistik hinaus von Bedeutung. Denn sie rührt an grundlegenden neurologischen Fragen nach dem Wesen des Menschen und seiner Wahrnehmung. Psychologen und Hirnforscher finden in ihren Untersuchungen immer mehr Hinweise darauf, dass Worte unser Denken und Handeln prägen – und dass wir uns tatsächlich mit unserer Muttersprache bestimmte Denkmuster aneignen. Unsere Sprache beeinflusst unsere Entwicklung – das sehen wir insbesondere bei Kindern, die häufig die Ausdrücke ihrer Eltern und damit ihre Denk- und Handlungsweisen automatisch übernehmen.

Die Wirkung von Worten haben wir alle schon am eigenen Leib erlebt: Wenn wir einen Krimi lesen, eine Liebeserklärung bekommen oder in einen heftigen, wortgewaltigen Streit verwickelt sind, spüren wir unmittelbar, wie Worte uns berühren. Sie können uns erschrecken, stärken, besänftigen, trösten, oder auch tief verletzen; manche Worte hängen uns tage- oder gar jahrelang nach. Auch unsere eigenen Worte sagen viel über unsere Haltung aus und wirken unbewusst auf uns und andere.

Worte sind mächtig und wirken subtil

Die Macht der Worte zeigt sich in verschiedensten Ausprägungen. Durch Worte können wir bewusst oder unbewusst manipuliert werden – wie zum Beispiel durch Werbung. Marktforschungsstudien ergaben beispielsweise, dass allein die Beschreibung von Lebensmitteln das Geschmackserlebnis beeinflussen kann: ein Essen schmeckt besser, wenn es nach „Großmutters Rezept“ oder „traditionell“ gekocht wurde. Ein exotischer Name verleiht Getränken ein frischeres Aroma. Unsere Wahrnehmung lässt sich also leicht von Begriffen leiten.

Die Manipulationskraft von Worten können wir auch sehr gut in der medialen Berichterstattung beobachten. Ein eindrückliches Beispiel ist die Flüchtlingsthematik in den Medien: Da wird ganz selbstverständlich von der sogenannten „Flüchtlingswelle“ gesprochen. Das Wort „Welle“ suggeriert dabei etwas, das mit großer Geschwindigkeit und unkontrolliert auf uns zukommt. Der wiederholte Gebrauch des Wortes „Welle“ im Kontext der Flüchtlinge manipuliert unsere Sichtweise auf die Flüchtlingsproblematik auf eine negative, sogar angstmachende Art und Weise.

Ebenso erschrecken ist, wie viele Kriegs- und Militärbegriffe in unseren Businessalltag eingesickert sind. Mehr oder weniger unbewusst und selbstverständlich bedient sich die Führungsliteratur sowie Führungspraxis gängiger Begriffe aus Krieg und Militär: War for Talents, Target, Radar, Etappenziele, torpedieren – dies sind nur einige ausgewählte Beispiele unserer militarisierten Sprache im Geschäftsalltag. Es lässt sich nur erahnen, welche Bilder mit dieser unbewussten, kriegs- und militärgeprägten Sprache bei Führungskräften und ihren Mitarbeitenden im Arbeitsalltag hervorgerufen werden.

Stärken Sie Ihre Führungswirkung durch achtsame, positive Sprache

Ihre Worte wirken. Immer. Wichtig ist, dass Ihre Worte in die richtige Richtung wirken.

Wenn Sie als Führungskraft eine maximale Wirkung erzielen möchten, kommen Sie an einer achtsamen und wirksamen Sprache nicht vorbei. Gewöhnen Sie sich die unten genannten Prinzipien an, achten Sie bewusst auf Ihre Sprache.

  • Vielleicht/möglicherweise/eigentlich/ziemlich/etwas/mal/ein bisschen: Diese Weichmacher haben das unglaubliche Potenzial, Unsicherheit zu äußern, Aussagen zu verwässern oder zu entwerten. Lassen Sie diese möglichst weg. Anstelle von „Können Sie das Dokument vielleicht nochmals überarbeiten?“ sagen Sie: „Können Sie das Dokument nochmals gründlich überarbeiten?“
  • Nur/mal: Das Wort „nur“ reduziert Ihre Aussage. Anstatt „Ich möchte nur wissen, ob …“ sagen Sie direkt „ich möchte gerne von dir wissen, ob …“ Dies ist eine klarere Ansage dessen, was Ihre Absicht ist.

„Das sollten wir mal angehen …“. Mit dem Wort „mal“ untergraben Sie jegliche Absicht. Es ist für alle von Anfang an klar, dass wahrscheinlich nichts passieren wird. Lassen Sie dieses Wort weg, es entleert Ihre Aussage und Absichtserklärung.

  • Müssen/dürfen/sollen/würde/könnte/glauben: „Ich muss Kunde XY noch heute zurückrufen.“ „Ich darf im Management-Meeting unsere Idee vorstellen.“ „Wir sollten das gleich besprechen.“ Wer muss, darf oder soll, ist von seiner Umwelt fremdbestimmt und wirkt passiv. Wer würde und könnte, wirkt unverbindlich und nicht fassbar. Eine viel aktivere, selbstbestimmtere Wirkung haben die Wörter „wollen“ und „können“. Wer will und kann, der wirkt proaktiv und bestimmt seine Umwelt: „Ich will Kunde XY noch heute zurückrufen.“ „Ich kann im Management-Meeting unsere Idee vorstellen.“ „Wir können das gleich besprechen.“ Wer glaubt, vermittelt wenig Überzeugung und Sicherheit. Anstatt „Ich glaube, der Vorschlag ist gut.“ Sagen Sie besser: „Ich bin überzeugt, dieser Vorschlag ist gut!“
  • Leider: Dieses Wort ist ein richtig negativer Trigger. Die andere Person weiß sofort, dass etwas nicht geht und hört gar nicht mehr offen zu. Sagen Sie stattdessen „Ich sehe da folgende Herausforderung: …“ oder machen Sie ein Angebot für eine andere Lösung, sagen Sie, was möglich ist.
  • Aber: Das unscheinbare, kleine Wort „aber“ wird sehr inflationär benutzt und hat eine enorm große Auswirkung. Wenn Sie sagen „Ich verstehe dich, aber ich kann im Moment noch nichts Konkretes dazu sagen“, dann sagen Sie effektiv aus, dass Sie Ihr Gegenüber NICHT verstehen. Das kleine Wort „aber“ hat einen absolut vernichtenden Effekt auf alles, was Sie vor dem Komma gesagt haben. Es signalisiert Ablehnung beziehungsweise Widerstand. Das Wort „aber“ wirkt trennend statt verbindend. Streichen Sie „aber“ aus Ihrem Wortschatz und ersetzen Sie es durch das verbindende Wort „und“. Statt „ja, aber“ sagen sie lieber „und“: „Ich verstehe dich und ich kann dir im Moment noch nichts Konkretes dazu sagen.“

Achtsame Sprache ändert den Mindset und stärkt Innovationskraft und Leistungsfähigkeit

Wenn wir uns selbst wie auch andere beobachten, ist unsere Kommunikation von negativen Wörtern und Formulierungen geprägt: Die einen sind vielleicht nur so salopp dahingesagt, andere scheinen bei gewissen Menschen bereits zur Einstellung zu gehören. Die Problematik der negativen Sprache ist, dass psychologisch betrachtet mit jedem negativen Begriff eine sogenannte negative Bahnung in unserem Gehirn passiert. Wenn wir häufig negativ reden, werden wir auch weniger Positives erreichen. Es ist sogar wissenschaftlich erwiesen, dass sich negative Formulierungen auch körperlich leistungsvermindernd auswirken können. Wer andauernd von „Problemen“ und „Schwierigkeiten“ oder ähnlichem spricht, verfestigt ein negatives Priming.

Statt „das geht nicht“ können Sie zum Beispiel sagen „ich kann Ihnen Folgendes anbieten: …“, statt „kein Problem“ sagen Sie „sehr gerne“, statt „bitte vergiss nicht“ sagen Sie „bitte denk dran“.

Es lohnt sich für Sie als Führungskraft, Ihre Wortwahl kritischer unter die Lupe zu nehmen, zu reflektieren und achtsamer damit umzugehen. Wenn Ihr Umgangston negativ und von oben herab ist, wird er sich unmittelbar auf Ihre Mitarbeitenden übertragen, die dann mit ihren Kundinnen und Kunden sowie Kolleginnen und Kollegen den gleichen Ton anstimmen und entsprechend negative Denkmuster entwickeln. Das gleiche gilt, wenn Ihre Aussagen unsicher oder unklar sind.

Durch Ihre achtsame, positive und klare Sprache hingegen vermitteln Sie Kompetenz, Sicherheit und Selbstvertrauen. Zudem beeinflussen Sie Ihr eigenes Mindset sowie das Mindset Ihrer Mitarbeitenden nachhaltig in eine positive Richtung.

Lesen Sie mehr zum Thema „Macht der Worte“ in meinem neuen Buch „Menschlichkeit in der Führung“.